SFB – Wochenbericht Nr. 04/2020

Presseschau

„Nichts hat sich geändert, höchstens, 
 dass man es nicht sagen darf.“

[Karl Kraus]

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach aktueller Schreibweise ist mit einem „Bankenbetrug“ nicht unbedingt gemeint, dass böse Menschen die Bank betrügen, um sich dergestalt zu bereichern. Die zweideutige Bezeichnung kann auch bedeuten, dass böse Banken die Menschen betrügen.

Diese „andere“ Bedeutung des Ausdrucks „Bankenbetrug“ ist uns aufgrund üblicher Klischees nicht geläufig. Wir denken eher an den klassischen „Banküberfall“, bei dem der Gangster den Geldhändler bedroht. Im umgekehrten Fall lässt sich die Situation nicht so leicht vergegenständlichen. (Bertold Brecht hat das Problem in seiner Dreigroschenoper dargestellt: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“)

Mit welcher Selbstverständlichkeit heutzutage Betrugsaktionen der Banken gegen deren Kunden, ja sogar gegen die gesamte Gesellschaft, in Form von Steuerbetrug laufen, ist einfach unfassbar. Nach Cum-Ex nun Cum-Fake, alle wissen es, niemand regt sich auf (siehe dazu unseren Beitrag „Die neue Masche“ in der Presseschau vom 30.01.20).

Aber es gibt nichts Neues unter der Sonne. Bei der verblüffenden Selbstverständlichkeit, mit der „renommierte“ Institutionen betrügen, fällt mir eine Kalendergeschichte aus dem „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreunds“ von Peter Hebel ein, der schrieb sie mal vor mehr als 200 Jahren zu unserer Belehrung auf:

Zwei honette Kaufleute

Zwei Besenbinder hatten nebeneinander feil in Hamburg. Als der eine schon fast alles verkauft hatte, der andere noch nichts, sagte der andere zu dem einen: »Ich begreife nicht, Kamerad, wie du deine Besen so wohlfeil geben kannst. Ich stehle doch das Reis zu den meinigen auch und verdiene gleichwohl den Taglohn kaum mit dem Binden.« »Das will ich dir wohl glauben, Kamerad«, sagte der erste; »ich stehle die meinigen, wenn sie schon gebunden sind.«

Lassen Sie es sich nicht verdrießen. Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen! O.K.

PS: Die Quelle zur Kalendergeschichte finden sie hier