SFB – Wochenbericht Nr. 07/2020
Presseschau
„Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern . . .“
Sehr geehrte Damen und Herren,
„auf Neukunden der Sparkassen im Osten könnten aus Branchensicht Negativzinsen auch für private Einlagen zukommen“, so soll es der Geschäftsführer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes, Wolfgang Zender, am vergangenen Donnerstag in Berlin gesagt haben. So wurde es auch am Tag danach von zahlreichen Medien verbreitet und kommentiert.
Zwar hatte Zenders Vorgesetzter, der Geschäftsführende Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes Michael Ermrich, noch vor sechs Monaten diese Möglichkeit völlig ausgeschlossen (siehe dazu unsere Presseschau vom 07.08.19 „Die Spekulation Ost“), aber worin besteht eigentlich der Informationsgehalt von Zenders Aussage?
Zender spricht im Konjunktiv, in der Möglichkeitsform. Die Möglichkeit besteht, dessen ist sich wohl jeder Sparkassenkunde ohnehin bewusst. Dabei ist diese Möglichkeit bereits stark eingeschränkt, denn sie besteht nur für Neukunden, nicht für Bestandskunden. Wozu dann eigentlich diese Meldung?
Der Fernsehbeitrag in „MDR aktuell vom 20.02.20 von 19:30 Uhr“ macht es deutlich: In der Sprachnachricht (1:25 min) hören wir die ersten Sätze: „Die goldenen Zeiten für Sparer sind lange vorbei. Künftig müssen möglicherweise auch Kunden mit kleineren Spareinlagen dafür bezahlen, dass Banken ihr Geld aufbewahren. Sogenannte Negativzinsen.“ Die Schlussaussage des Kurzbeitrags: „Experten raten: Wer Geld hat, sollte, statt zu sparen, lieber investieren. Zum Beispiel: In Aktien und Immobilien.“
Das also ist des Pudels Kern: Nicht sparen, spekulieren sei das Panier!
Wenngleich der Zweck einer Sparkasse schon im Namen steckt; nach dem Gesetz über die öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute haben Sparkassen sogar den gesetzlichen Auftrag, das Sparen und die Vermögensbildung der Bevölkerung zu fördern. Da hätten doch wohl ihre Kollegen von der „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“, man beachte auch hier den öffentlich-rechtlichen Status, wenigstens die moralische Pflicht, an dieser großen Aufgabe tätig mitzuwirken. Oder?
Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen. Bleiben Sie gesund! O.K.