SfB – Wochenbericht Nr. 08/2019
Presseschau
Die Worte sind gut, sie sind aber nicht das Beste;
das Beste wird nicht deutlich durch Worte.
Der Geist, aus dem wir handeln, ist das Höchste.
Die Handlung wird nur vom Geiste begriffen
und wieder dargestellt.
[Wilhelm Meister, Lehrbrief]
Sehr geehrte Damen und Herren,
was ist Wahrheit? Die berühmte Pilatusfrage, die nicht zu beantworten ist. Das wird unsereinem dieser Tage wieder bei der Diskussion um das Für und Wider einer möglichen Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank bewusst.
Die gefühlte Mehrheit der Kommentatoren wendet sich gegen eine Fusion, die Befürworter sind jedoch auch nicht zu unterschätzen. Wie soll ich, der berühmte Otto Normalverbraucher, mich zum Thema positionieren? Wo sich doch wieder einmal selbst die „ausgewiesenen Experten“ uneins sind?
Selbst „unsere“ Volksvertreter arbeiten hier offensichtlich gegeneinander: Die Bundeskanzlerin vertritt die Meinung, dass sich die Politik aus dieser Entscheidungsfindung heraushalten solle, während jedoch der Vizekanzler als Initiator unter den Befürwortern gilt. Was ist nun wahr, was ist falsch? Gab es nicht bereits eine Entscheidung fürdie Einmischung der Politik, mit dem Erwerb eines mehr als 15 Prozent Anteiles an der Commerzbank durch den Staat?
Der größten Irritation fühle ich mich ausgeliefert, wenn als Hauptargument die nationale Interessenlage angeführt wird. Wobei so gänzlich unauffällig die Behauptung suggeriert wird, dass eine Bank mit dem Namensbestandteil „Deutsche“ auch völlig selbstverständlich nur deutsche Interessen vertreten könne. Inzwischen sollte sich doch herumgesprochen haben, dass eine Bank, also auch die Deutsche Bank, grundsätzlich die Interessen ihrer Eigentümer vertritt. Und das Interesse der Eigentümer lautet nun mal Rendite und nicht „Deutschland First“.
Wer sind eigentlich die Eigentümer der Deutschen Bank? Laut NFS Netfondsbefinden sich die meisten Aktien der Deutschen Bank in Streubesitz, die Eigner sollen hauptsächlich aus Deutschland stammen. Jedoch gibt es vier Großaktionäre:
Das US-Unternehmen Black Rock.
Die chinesische Hainan Jiaoguan Holding (HNA).
Die Paramount Services (britische Jungferninseln).
Die Supreme Universal Holdings (Kaiman Inseln).
Hinter den beiden letzten Unternehmen stehen die Herrscher des Golfstaats Katar, die Familie Al-Thani, mit knapp 10%. HNA hält 9,9 %. Blackrock 6,35 %.
(Zur Positionierung des „einflussreichsten privaten Investors“ Blackrock siehe den Beitrag aus dem „manager magazin“ vom 18.12.17)
Übrigens, eine Kleinigkeit fehlt in den bisherigen Argumentationen durchweg: Die vielzitierte Erfahrung aus unserer Geschichte. Ob wohl noch wer an das Ahlener Programm denkt (1947), dessen Prämisse lautete:
Inhalt und Ziel einer sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung
kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben,
sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein.
Es kommt also darauf an, was dem Wohlergehen des Volkes dient. Das ist jedoch gegenwärtig, wenn der Deutsche-Bank-Chef Sewing sieben Millionen Gehalt kassiert, und der Ex-Deutsche-Bank-Chef John Cryan für knappe drei Jahre erfolgloser Tätigkeit 8,7 Millionen Abfindung, nebst Entschädigungszahlung 2,2 Millionen Euro erhält, kaum der Fall.
Trotz alledem – bleiben Sie fröhlich! Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende! O.K.