SFB – Wochenbericht Nr. 22/2019
Presseschau
„Das System funktionierte so, dass die Banken Produkte,
die sie nicht verstanden, weiterreichten an Leute oder
andere Banken, die sie noch weniger verstanden.“
[John Anderson Kay zur Finanzkrise]
Sehr geehrte Damen und Herren,
die europäischen Banken benötigen zusätzliches Eigenkapital in Höhe von 135 Milliarden Euro. So teilte es die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ am 02.07. 2019 mit, wir machten in unserer Presseschau darauf aufmerksam.
Wie verarbeiten Sie solch eine Information für sich selbst? Welche persönlichen Konsequenzen ergeben sich aus dieser Nachricht? Wie positioniere ich mich als Mitglied der Schutzgemeinschaft für Bankkunden zu dieser Nachricht? Bahnt sich hier wieder eine Aktion gegen den Steuerzahler, wenigstens gegen den Bankkunden an – wo auch anders sollten sonst die Finanzierungsquellen für die Gier nach Geld zu finden sein?
Wie die FAZ berichtete, geht die Erkenntnis über den beschriebenen Kapitalbedarf aus einer Studie der EU-Bankenaufsicht (Eba) mit der Maßgabe hervor, diese bis zum Jahr 2027 umzusetzen. Gleichzeitig warnt der Bundesverband deutscher Banken (BdB), de facto einer der Urheber dieser Geldforderung, vor einer Überforderung der Banken.
Ein paar gute Antworten auf die entstandenen Fragen finden sich in einem Interview, welches die „Frankfurter Rundschau“ mit dem renommierten englischen Wirtschaftswissenschaftler John Anderson Kay führte. Wir machten in unserer Presseschau auf dieses Interview aufmerksam.
John Anderson Kay bezeichnet sich als Anhänger des Trennbankensystems; einer Aufspaltung in Privatkunden- und Investmentbanken. Er fordert eine Zerschlagung der Großbanken. Die Deutsche Bank bezeichnet er als seltsamen Mix aus großen Hedgefonds und Privatkundenbank, die einfach so nicht existieren sollte. Er attestierte der Deutschen Bank, die schlechteste Bank der Welt zu sein.
Interessant ist auch Kays Auffassung zur eigentlichen Aufgabe einer Bank; diese brauchen die grundlegenden Bankdienstleistungen sowie einen funktionierenden Zahlungsverkehr, also traditionelles Banking.
„Richtiges Banking ist kein sonderlich aufregendes Geschäft. Es gibt keinen Grund, warum eine Bank mehr Gewinn machen sollte, als der lokale Strom- oder Gasanbieter. Es reicht, die Kapitalkosten zu verdienen, vielleicht noch ein kleines Premium obendrauf. Wenn eine Bank mehr verdient, stellt sich immer die Frage: Wo kommt das Geld her?“
Es gibt nicht immer nur schwierige Fragen, oft gibt es auch schon passende Antworten dazu.
Ein wunderschönes Wochenende wünsche ich Ihnen! Bleiben Sie gesund! O.K.