SFB – Wochenbericht Nr. 22/2020

Presseschau

„Sei er noch so dick, 
Einmal reißt der Strick. 
Freilich soll das noch nicht heißen, 
Daß gleich alle Stricke reißen. 
Nein, im Gegenteil, 
Mancher Strick bleibt heil.

[Frank Wedekind]

Sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland übernimmt ab Juli die EU-Ratspräsidentschaft. Was es während der Ratspräsidentschaft tun will, erklärt uns das ZDF. Unter anderem will Deutschland Fortschritte bei der Digitalisierung erzielen. Was wohl damit gemeint sein könnte?

Ein Beitrag von „finanzen.net“ hilft weiter: „Wir müssen in Europa das Tempo erhöhen, wir müssen uns innerhalb der nächsten zwei Jahre auf die Rahmenbedingungen für die Schaffung einer Digitalwährung in Europa verständigen“, fordert dort der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Andreas Krautscheid. Der Hauptgeschäftsführer Krautscheid beruft sich bei seiner Argumentation auf „Rückmeldungen von großen deutschen Industrieunternehmen“. Die Rückmeldungen dieser anonymen Industrieunternehmen aber lauten so: „Wir brauchen den programmierbaren Euro, nur damit lassen sich im Rahmen von `Industrie 4´ Zahlungen auf Blockchain-Basis auslösen.“  

Ergänzend gibt es noch Informationen der „Wirtschaftswoche“, die uns zweierlei wissen lassen: 

Zum einen forderte die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Notenbanken sollten bei der Entwicklung von Digitalgeld vorneweg gehen. 

Zum anderen dringen die deutschen Privatbanker auf eine zügige Einführung des digitalen Euros als eine zwingende Antwort auf die Bedrohung der digitalen Souveränität Europas durch die Facebook-Cyberwährung Libra oder den digitalen Renminbi in China. 

Dagegen fürchten die deutschen Sparkassen das Ende der traditionellen Geldschöpfung durch das Bankensystem mit der Schaffung eines Digital-Euros. Vermutlich entspräche die Einführung des digitalen Euros einem neuen Geldsystem (Vollgeld?). Das könnte den Szenarien ähneln, welche die Währungsexperten  Daniel Stelter oder Thomas Mayer kürzlich skizzierten. 

Noch zum Jahresbeginn vertrat der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, in einem Interview durch das Handelsblatt, eine ablehnende Meinung zur  Einführung einer eigenen Digitalwährung der Europäischen Zentralbank. Die Aufgaben der EU-Ratspräsidentschaft sind derzeit, nicht zuletzt durch die Korona-Krise, so gewaltig, dass es doch vernünftiger erscheint, die Aufgabenstellung dem Machbaren anzupassen. Die Warnung von Jens Weidmann vor einer übereilten Einführung eines digitalen Euro klingt plausibel. Was spräche dagegen?

Bleiben Sie neugierig, bleiben Sie gesund. Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen! O.K.