SFB – Wochenbericht Nr. 23/2019

Presseschau

Denn die einen sind im Dunkeln 
und die andern sind im Licht 
und man siehet die im Lichte 
die im Dunkeln sieht man nicht. 
[Bertold Brecht, Dreigroschenoper]

Sehr geehrte Damen und Herren,     

„Die Bilder zeigen das ganze Drama“:

Vor einer kalten, nüchternen Steinfassade mit dem Schriftzug „Deutsche Bank“ steht ein junger Mann.Allein und einsam, mit ängstlich-fragendem Blick. In den Händen trägt er einen Pappkarton, der nicht so recht zu seinem feinen Anzug passt. Die Bildunterschrift verrät uns, dass sich in dem Karton „seine sieben Sachen“ befinden – sozusagen seine gesamte materielle Habe.

Ein anderes Bild zeigt uns vor dem unscharf gehaltenen Hintergrund einer Großstadtumgebung zwei junge Männer, die etwas „deppert“ dreinschauen.Sie wurden „vor die Tür gesetzt“, in den Händen tragen sie, was sie gerade noch so greifen konnten: Einen Umschlag mit den Entlassungspapieren, eine leere Trinkflasche, eine Umhängetasche im „Military-Look“ und daran baumelnden Flaschenöffner . . .

Beide Bilder sind, von ihrer Aussage her betrachtet, meisterhaft. Die Entstehungsorte sind London und New York und sie zeigen die Situation der Kündigung von 18.000 Stellen bei der Deutschen Bank. Sie könnten die Bildunterschrift „Kleiner Mann, was nun?“ tragen und erwecken ohne Zweifel eine starke menschliche Anteilnahme am persönlichen Schicksal der einzelnen Betroffenen. Wenn da nur nicht diese starke Überhöhung im Begleittext wäre:

„Manche sollen geweint haben“. Ausgerechnet für die Branche, die bisher im Arbeitsleben geradezu als Synonym für Härte und Durchsetzungsvermögen ohne Rücksicht auf Verluste galt, wird nun menschliche Anteilnahme eingefordert? Wieviel Bankkunden mussten weinen, weil ihre Existenz der Gier der Bänker geopfert wurde? Herr Ackermann erklärte einst eine Rendite von 25 Prozent für die Deutsche Bank zum Standard, während sich ein Heer von Handwerkern und Kleinunternehmern glücklich schätzen konnte, zwei bis drei Prozent zu erreichen. Wurden deren Schicksale je ausreichend gewürdigt? Stattdessen wurde hier bei Zwangsversteigerungen durch die Banken gerne die Mär von der „ordnenden Hand des Marktes“ bemüht, deren Härtefälle ohnehin immer durch die „soziale Hängematte“ abgefedert waren.

Kurzum, eine Aufrechnung zu versuchen, wäre hier zum Scheitern verurteilt. Schon deshalb, weil sich eine Pauschalisierung von 18.000 Einzelschicksalen von selbst verbietet. Aber mitunter kommen solche Gedanken auf und ich würde mir schon eine bessere Symmetrie in der Berichterstattung wünschen. 

Lassen Sie es sich nicht verdrießen! Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen! O.K.