SFB – Wochenbericht Nr. 24/2020
Presseschau
„Dein Ohr leih´ jedem, wen´gen deine Stimme;
Nimm Rat von allen, aber spar´ dein Urteil! “
[Shakespeare]
Sehr geehrte Damen und Herren,
manche Misslichkeiten des Lebens wären nicht entstanden, hätten die Akteure rechtzeitig guten Rat angenommen. Aber besser spät als nie, sagten sich die klugen Entscheidungsträger der europäischen und der nationalen Politik und fanden nolens volens einen Ausweg aus der Misere.
Der kluge Ratschlag für dergleichen Situationen ist ein „Klassiker“ und findet sich bereits bei Johann Peter Hebel im „Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes“. Vor langer Zeit standen solche Geschichten in den Lesebüchern der Schule. Lassen Sie sich´s nicht verdrießen und schenken Sie sich ein Lächeln. Ein wunderschönes Wochenende wünsche ich Ihnen! O.K.
Der verachtete Rat
Man darf nie weniger geschwind tun, wenn etwas geschehen soll, als wenn man auf die Stunde einhalten will. Ein Fussgänger auf der Basler Strasse drehte sich um und sah einen wohlbeladenen Wagen schnell hinter sich hereilen. »Dem muss es nicht arg pressieren«, dachte er. – »Kann ich vor Torschluss noch in die Stadt kommen?« fragte ihn der Fuhrmann. – »Schwerlich«, sagte der Fussgänger, »doch wenn Ihr recht langsam fahrt, vielleicht. Ich will auch noch hinein.« – »Wie weit ist's noch?« – »Noch zwei Stunden.« – »Ei«, dachte der Fuhrmann, »das ist einfältig geantwortet. Was gilt's, es ist ein Spassvogel.« Wenn ich mit Langsamkeit in zwei Stunden hineinkomme, dachte er, so zwing' ich's mit Geschwindigkeit in anderthalber und hab's desto gewisser. Also trieb er die Pferde an, dass die Steine davonflogen und die Pferde die Eisen verloren. Der Leser merkt etwas. »Was gilt's«, denkt er, »es fuhr ein Rad vom Wagen?« Es kommt dem Hausfreund auch nicht darauf an. Eigentlich aber, und die Wahrheit zu sagen, brach die hintere Achse. Kurz, der Fuhrmann musste schon im nächsten Dorf über Nacht bleiben. An Basel war nimmer zu denken. Der Fussgänger aber, als er nach einer Stunde durch das Dorf ging und ihn vor der Schmiede erblickte, hob er den Zeigfinger in die Höhe. »Hab ich Euch nicht gewarnt«, sagte er, »hab' ich nicht gesagt: Wenn Ihr langsam fahrt!«
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