SFB – Wochenbericht Nr. 26/2019

Presseschau

Hätte Pikdame statt Karozehn 
den Buben genommen, 
Dann wäre vielleicht 
Alles ganz anders gekommen. 
[Joachim Ringelnatz]

Sehr geehrte Damen und Herren,

„wir hätten doch sollen . . .“  gibt es schon als Essay von Kurt Tucholsky. Dort läßt er Schopenhauer sagen: „Ihr hättet sollen! Narren! Hättet ihr denn können?“

Wir kennen eben immer nur die eine Variante. Die, welche tatsächlich gelaufen ist. Betrachtungen anzustellen über verpasste Möglichkeiten, bringt uns nicht weiter. Im Zusammenhang ergibt sich die berühmte Pilatusfrage: „Was ist Wahrheit?“

Das Thema wurde in dieser Woche, durch die Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts zu den Kompetenzen der Europäischen Zentralbank, wieder in den Vordergrund des öffentlichen Bewusstseins gerufen. Dabei dürfte wohl jedem Betrachter klar geworden sein, dass die Materie nicht einfach so im Vorübergehen zu lösen ist. Die Beteiligten haben allesamt schwerwiegende und plausible Argumente, sowohl zum Für als auch zum Wider. Einen Kommentar abzugeben, wie in der Frankfurter Rundschau durch den „Chefvolkswirt der Gewerkschaft Verdi“ geschehen, in dem die Kläger vor dem Verfassungsgericht als „dumm und dreist“ ob ihrer Ansicht beschrieben werden, ist schon ungeheuerlich. Ist es nicht vielmehr großartig, dass in unserer Gesellschaft die Meinungen Andersdenkender in die Wahrheitsfindung einbezogen werden? Wünschen wir den Verfassungsrichtern also viel Erfolg bei der Urteilsfindung!

Ihnen wünsche ich ein wunderschönes Wochenende. Bleiben Sie gesund! O.K.