SFB – Wochenbericht Nr. 35/2019
Presseschau
(. . .)
Ach! hättest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaßest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!
Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel -
Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz
als warnendes Exempel!
(. . .)
[Deutschland. Ein Wintermärchen.
von Heinrich Heine]
Sehr geehrte Damen und Herren,
ausgerechnet zum „Tag der deutschen Einheit“, am 03. Oktober, erschien im „manager magazin“ ein Artikel mit dem reißerischen Titel: „10.000 Euro für jeden Bürger!“
Die Meldung erinnert ein wenig an die vor dreißig Jahren propagierten Vorschläge eines bekannten adligen Geldhändlers im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, der einen großartigen Plan zur Aufteilung des Volksvermögens der DDR an deren Bürger mit Hilfe von Genußscheinen vorstellte. Schließlich ging es um die Frage, wie das „Volkseigentum“ denn wohl aufzuteilen sei.
Der Terminus „Volkseigentum“ war in der alten Bundesrepublik unbekannt und ließ sich somit juristisch nicht behandeln. Was also machen mit einer Riesenimmobilie von 108.174 qkm in hervorragender mitteleuropäischer Lage? Zu jenem Zeitpunkt erschien die Aufteilung an das Volk plausibel und bediente zudem das Wunschdenken aller Beteiligten. Das Vertrauen in die Stimme des Westens war nahezu grenzenlos, die berüchtigte „Treuhand“ gab es noch nicht.
Nun gut, inzwischen hat sich auch im „Beitrittsgebiet“ die Vorstellung von Pressefreiheit und freier Meinungsäußerung normalisiert. Nicht jede Information muss richtig sein. Irren ist eben menschlich. Dennoch ist der Beitrag „10.000 Euro für jeden Bürger“ einer näheren Betrachtung wert – er verdient weitaus mehr, als nur ein müdes Lächeln.
Der Autor spricht von einem „Notenbanksozialismus“, einer von den Notenbanken gesteuerten Planwirtschaft. Er weist in seinem Beitrag verständlich nach, dass die gegenwärtige Geldpolitik der EZB in eine weitere „zunehmende ungleiche Vermögensverteilung“ führen musste. Und er zeigt eine plausible Alternative: Das Geld nicht den Reichen, sondern den Armen zu geben. So einfach ist das.
Es gäbe allerdings eine wichtige Voraussetzung, um die einfache Lösung durchzusetzen:
Aufhören, an den Unfug von der „unsichtbaren starken Hand, die den freien Markt ordnet“ zu glauben. Die Prozesse werden von Menschen gesteuert. Jedoch: „Der moderne Mensch verschafft sich mit dem Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber der Eigendynamik des Geldes eine anonyme Macht, die ihn aus der Selbstverantwortung entlässt.“ [Christina von Braun; „Der Preis des Geldes“]
Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen! Bleiben Sie gesund! O.K.