SFB – Wochenbericht Nr. 36/2019

Presseschau

Bös und gut  [Wilhelm Busch; Schein und Sein]

Wie kam ich nur aus jenem Frieden 
Ins Weltgetös? 
Was einst vereint, hat sich geschieden, 
Und das ist bös.

Nun bin ich nicht geneigt zum Geben, 
Nun heißt es: Nimm! 
Ja, ich muß töten, um zu leben, 
Und das ist schlimm.

Doch eine Sehnsucht blieb zurücke, 
Die niemals ruht. 
Sie zieht mich heim zum alten Glücke, 
 Und das ist gut.

Sehr geehrte Damen und Herren,

haben Sie den Beitrag im „manager magazin“ mit dem Titel „Erheblicher Widerstand im EZB-Rat gegen Draghi“gelesen? Da hätte ich doch eher angenommen, dass sich Marios Kollegen, wo der doch nun die letzten Tage seiner achtjährigen Amtszeit „begeht“, um die Vorbereitungen einer kleinen Abschlussfeier kümmern. Was soll zum derzeitigen Zeitpunkt eine derartige Kritik bewirken?

Aber auch zu einem anderen Zeitpunkt: Dem EZB-Rat, der als das oberste Beschlussorgan der EZB gilt, gehörten bei der letzten Entscheidung im September 2019 genau 25 Personen an  (Die Aussprachen im EZB-Rat sind übrigens vertraulich).

Nun ist es doch sehr wahrscheinlich, dass es bei 25 Personen unterschiedliche Auffassungen zum Thema gibt. Da in einem demokratischen Staat die Mehrheitsregel als das zentrale Mittel gilt, eine Entscheidung herbeizuführen, kann man getrost davon ausgehen, dass es bei jeder Mehrheitsentscheidung auch eine Minderheit gibt, deren Einstellung zur getroffenen Mehrheitsentscheidung kritisch ist. 

Wo liegt damit der Informationswert für die Öffentlichkeit beim Beitrag des „manager magazins“? Ist die Erkenntnis so bemerkenswert, dass es in einem demokratischen Gremium Meinungsverschiedenheiten gibt? Und was soll der letzte Satz: „Auch EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger war vorzeitig von ihrem Posten zurückgetreten.“ ?? 

Ein schönes Beispiel von Meinungsmanipulation, immerhin. Denn es wurde bisher keine Begründung für den Rücktritt von Frau Lautenschläger in der Öffentlichkeit bekannt. 

Was lernen wir daraus? Nun, es ist nicht alles wahr, nur „weil es in der Zeitung steht“. Bleiben Sie kritisch und wachsam! Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen. Bleiben Sie gesund! O.K.