SFB – Wochenbericht Nr. 36/2020
Presseschau
„Jede Wissenschaft bedarf der Mathematik,
die Mathematik bedarf keiner.“
[Jakob Bernoulli]
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie aus der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zu erfahren war, will sich die EZB in ihrem „Prozess der strategischen Neuausrichtung“ mit der Frage auseinandersetzen, wie denn die Inflation in der Eurozone eigentlich zu messen sei (siehe unsere Presseschau vom 24.09.20; „Lässt sich Inflation messen?“).
Immerhin ist die Definition der Inflationsmessung umstritten. Wobei die eigentliche Berechnung des Verbraucherpreisindex als zentraler Indikator für die Geldwertermittlung, in Deutschland 300.000 Verbraucherpreise pro Monat, in Form des berühmten „Warenkorbes“ sicherlich korrekt erfolgt. Ist aber der Ansatz überhaupt richtig, also welche Artikel werden nach welchem Wägungsschema ausgewählt?
Wenn die selbstgenutzten Immobilien nicht mit in die Berechnung eingehen, immerhin bei einer Eigentümerquote von 46,5 % lt. Destatis, dann ist ein genaues Ergebnis des Verbraucherpreisindex nicht zu erwarten. Die im üblichen Jargon der „Finanzexperten“ dargebotene Genauigkeit der Inflationsrate im Zehntel- oder gar im Hundertstelbereich wirkt dann doch verwunderlich.
Wie der FAZ weiter zu entnehmen ist, will sich die EZB auch, nach dem Vorbild der FED vom August, mit der Frage des Inflationsziels auseinandersetzen. Die oft genannten 2 % Inflationsziel können seit Ende August in den USA mit vorhergehenden oder nachfolgenden abweichenden Inflationswerten verrechnet werden und genügen damit einer neuen, flexibleren Betrachtung.
Es ist ja recht erfreulich, dass sich unsere europäischen Währungshüter so vielen ungeklärten Fragen zuwenden. Hoffen wir darauf, dass es in Bälde auch die richtigen Antworten geben wird!
Lassen Sie es sich nicht verdrießen. Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen! O.K.